Manchmal ist es gar nicht so einfach, den Kopf nicht zu verlieren, wenn man mit tausend Fuessen auf verschiedenen Rollschuhen faehrt. Es passiert wirklich eine Menge im Children’s Village. Vieles fast unbemerkt, versteckt in Kartons. Anderes so schnell, dass man fast aufpassen muss, nicht ploetzlich in ein tiefes Loch im rostroten Sand zu stuerzen. Alles sichere Zeichen dafuer, dass wir auf einem guten Weg sind.
Heute mal mit Vogelscheuchen unterwegs
Die Fischteiche und ihre Bewohner sind in Bestform, schwimmen duch daas truebe Nass, wachsen gut und geben zu jeder Fuetterungszeit eine kleine Show. Die momentan einzige Gefahr fuer sie kommt nicht aus dem Wasser sondern aus der Luft. Unsere Mitarbeiter vor Ort in Old Adwampong haben Raubvoegel ueber den Fischteichen gesichtet. Hm…in einem Becken mit mehr als 500 Fischen laesst sich schneller und leichter Beute machen als stundenlang hinter Maeusen etc. herzujagen. Auch, wenn wir durchaus zu einer wahren Tierfarm werden, ist bei ungebetenen Dieben Schluss. Die Loesung: Vogelscheuchen. Schnell haben wir also aus einer kurzen und einer langen Holzlatte uns einem alten Hemd eine Vogelscheuche gebaut und aufgestellt. Das ganze mal drei und fertig ist der Raubvogelschreck.
Geheimnisvolle Kartons und Holzboxen…
Und was versteckt sich in den grossen schwarzen Holzbox? Alle Tage gehen sie aus und bleiben dennoch zu Haus‘. Was kann das nur sein? Eine Schneckengrossfamilie! Ja, ihr lest richtig, seit ein paar Wochen sind wir unter die Schneckenzuechter gegangen. Diese Kriechtiere sin hier in Ghana eine nahrhafte, jedoch nicht ganz billige Delikatesse. Pro Stueck kosten sie ca. 3 bis 4 Cedis. Zubereitet werden sie meist in Suppen ud so weiter. Ich muss zugeben, dass ich mich da noch nicht rangetraut habe. Aber es geht ja auch nicht um mich, sondern darum, dass wir moeglichst viele davon zuechten und gewinnbringend verkaufen wollen. Diese Schnecken werden wirklich gross, sind aber recht anspuchslos. Fressen Cocoyamblaetter und andere Blaetter, also ein bisschen wie die ungeliebten Gartenschnecken in Deutschland. Damit sie sich nicht ueber unseren Gemuesegarten hermachen, habe sie eine grossen Holzbox als neues zu hause bekommen. So bleibt ihnen die Suche nach einem trockenen, kuehlen Platz erspart und auch fuer ihr Futter muessen sie nicht mehr weit kriechen. Wir werden sehen, ob sie sich halten und fleissig vermehren. Die ersten haben schon Eier gelegt. Wir koennen also hoffen.
Bei einem meienr letzten Rundgaenge bin ich ausserdem ueber eine weitaus kleinere Pappbox mit Loechern gestolpert. Ihr Inhalt piepste und haeupfte schon in einer der Dusch-und Toilettenraeume herum. Ja, nun haben wir auch eine Huehner-und-Kueken-Grossfamilie. Auf dass sie sich fleissig vermehren, Eier legen und gutes Fleisch liefern.
Neben Schnecken und Huehnern sind auch zwei wesentlich kuscheligere Wesen eingezogen. Nun bietet das Children’s Village auch zwei Kaninchen ein neues zu Hause. Auf das sie sich zahlreich vermehren und den Speiseplan der Fleischesser bereichern. Die zwei Kaninchen haben sogar einen eigenen Palast, in dem sie sicher vor Schlangen und Hunden vor sich hin hoppeln und fressen koennen.
Politische Strommasten
Nun aber genug der Tiere. Es wird schliesslich ein Children’s Village und keine Animal Farm. Auch, wenn es momentan wahrscheinlich umgekehrt anmutet. Aber bis wir endlich das Children’s Village eroeffnen koennen, muss noch einiges geschehen. Die ersten Schritte fuer die Elektrifizierung sind gemacht. Die Electricity Company of Ghana (ECG) hat uns einen Mitarbeiter zur Verfuegung gestellt, der sich ein Bild vom Gelaende gemacht und (mit fleissigen Helfern) die notwendigen Loecher fuer die Strommasten gebuddelt hat. Nun heisst es warten, dass die Strommasten kommen. Das ist momentan keine ganz einfache Sache, denn hier in Ghana sind im Dezember Wahlen. Das bedeutet, dass viele Politiker ihre Bezirke, Doerfer, Staedte etc. noch schnell bis kurz vor der Stimmabgabe mmit Strom versorgen bzw. die Stromversorgung verbessern wollen. So gehen die meisten Strommasten derzeit eher an die in der Politk aktiven als an in der Bevoelkerung Aktiven wie uns. Ob die politischen Stromprojekte jedoch jemals fertiggestellt werden, steht in den Sternen. Sicher ist aber, dass unser Stromprojekt so schnell wie moeglich zum Ende kommen soll und so verbringen Douglas und Nana Yaw von LoszuGhana viel Zeit damit, den Leuten der ECG auf die Fuesse zu treten bis wir endlich unsere Strommasten bekommen. Wir druecken die Daumen!
Unermessliche Tiefen
Das zweite Grossprojekt ist die Sache mit den Toiletten und der Kanalisation. Seit ca. zwei Wochen wird zwischen der Kueche und Haus Nr. 5 gebuddelt, was die Armmuskeln hergeben. Die Arbeiter haben sich dafuer in zwei Gruppen aufgeteilt und arbeiten von morgens bis abends an der Aushebung des Manholes. Gruppe A an Tag 1, Gruppe B an Tag 2, dann wieder Gruppe A und so weiter. Quasi im Tagschichtsystem. Es ist wirklich Knochenarbeit. Der Boden hat teilweise die Konsistenz von lehmigem Sand. Das Manhole, sozusagen die Sammelgrueb fuer alles, was durch die Kanalisation rauscht, ist ca. 10 x 15 Meter gross und ca. 3 bis 4 Meter tief werden. Fast so, wie das Sprungbecken im Freibad. Zunaechst wird der Boden mit der Spitzhacke geloest und dann ausgehoben. Und das wird alles mit der Hand ausgehoben, Schaufel fuer Schaufel. In der Grueb arbeiten zwei und oben auch mindestens einer, der den Sand weiterschiebt. Das ist dann auch das, was wir, die Samstagsbesucher, machen. Anstrengend, aber gut.
Lokusse aus bella Italia
Wo das eine Ende der Kanalisation das Manhole ist, stehen in Zukunft bald an den anderen Enden in jedem Haus eine blendend weisse Toilettenschuessel und haengt an den Waenden ein wunderbares kleines Waschbecken. Beides frisch importiert aus bella Italia und nur fuer uns zum Sonderpreis von 1.700 Cedis. Pro Set aus Kloschuessel und Waschbecken also 340 Cedis (das sind aktuell ca. 144 Euro).
Kampf der Erosion
Noch mehr Sand wurde bei den Fischteichen geschaufelt, auf dem Kopf getragen und mit Schubkarren weggerollt. Der staerker werdende Regen verstaerkt die Bodenerosion. Mit jedem Regenguss werden Teile der Sandwaelle um die Fischteiche ins Wasser gespuelt. Wir haben bereits Graeser gepflanzt, um sie Erosion einzudaemmen, aber bis die gross und stark sind, vergeht noch einige Zeit. Bis dahin haeufen wir neuen Sand auf die Waelle. So entsteht im Nebeneffekt ein Entwaesseungskanal fuer das viele Regenwasser.
Ab durch die Hecke
So langsam machen wir uns auch an die Schoenheitsoperationen fuer das Gelaende. Vor allen Haeusern befindet sich nun in einer schnurgeraden Linie mit Luecken als Durchgang eine kleine aber feine Hecke. Na ja, noch sind es kleine einzelne Pflaenzchen, die aber in Zukunft so etwas wie einen Vorgarten fuer die einzelnen Haeuser begrenzen sollen. Ob es dann auch Gartentore gibt, bleibt abzuawarten.
Ein Garten voller Vielfalt
Der Mais und auch die Wassermelonen wachsen wirklich gut, wesentlich besser als beim letzten Mal. Vielleicht haben wir ja dieses Mal Glueck und wir ernten reichlich. Denn Wassermelonen sind hier teilweise unverschaemt teuer (man munkelt von 15 Cedis pro Stueck, vielleicht waren das ja vergoldete?). Der komplette Garten ist bedeckt mit Wassermelonenpflanzen, Paprika- und Tomatenpflanzen und auch zwischen den Yamhuegeln zeigt sich Biodiversitaet von ihrer besten Seite. Yam, Cocoyam, Cassava…alles zusammen fuer einen wirklich abwechslungsreichen Speiseplan.
Kommt gar nicht in die Tuete…oder doch?
Oh, und auch den Schafen geht es gut…wenn sie denn nicht gerade den Kopf in den Reissack stecken.
Es gruesst aus Ghana
Lena Schoemaker